Jan Ullrich

Positiv aufgefallen: 2002 Trainingskontrolle

Substanz: Ecstasy (Partydroge)

Sperre: Sechs Monate Sperre und 2000 Schweizer Franken Strafe

Jan Ullrich erklärte seine positive Probe mit zwei „high machenden“ Tabletten, die er von einem ‚unbekannten Bekannten‘ in einer Münchner Diskothek bekommen und konsumiert haben willl. Wolfgang Strohband, väterlicher Freund und Manager, sprach von „aufmunternden“ Pillen. Während Ullrich sein Vergehen als „Riesensau-Dummheit“ bezeichnete, wunderten sich Insider damals über den Termin der Trainingskontrolle, die just am nächsten Tag erfolgte und damit während einer Rehabilitationsphase nach einer Knieoperation stattfand. Nach dem positiven Befund sagte Ullrich: „Da geht einem blitzartig alles durch den Kopf: Wie kann das passieren, warum ich, ist jetzt alles futsch? Wenn du als Sportler irgendwann mal mit Doping in Verbindung gebracht wirst, ist es für einen das Mieseste, was es gibt.“

Und nach Verkündigung der Sperre gab er zu Protokoll: „Ich hab den Mut gespürt zurückzukommen, weil es bei mir eine ganz andere Situation war. Dass es kein Doping in dem Sinne war, steht auch in meinem Gerichtsurteil. Deshalb fühle ich mich auch nicht als Dopingsünder. Das war für mich kein Doping.“ Jürgen Kindervater, ehemaliger Kommunikationschef bei der Deutschen Telekom, sah nach der positiven Dopingprobe „das Ende unseres Engagements im Radsport kommen.“ Das Sportgericht des „Bund Deutscher Radfahrer“ sah das Vergehen nicht als Doping im engeren Sinne an, sondern lediglich als „Verstoß gegen das Doping-Kontrollreglement“. Es sprach mit sechs Monaten die kürzeste Sperre aus, die möglich war.

Die Deutsche Telekom AG, die immer wieder ihre Entschlossenheit verkündet hatte, überführten Dopingsündern sofort zu kündigen, nutzte die positive Probe, um Ullrichs Vertrag zu lösen und ihm umgehend ein Angebot zu geringeren Bezügen zu machen. Offizielle Version: Ullrich sei überhaupt kein Dopingsünder, er habe die verbotene Substanz nicht in der Absicht genommen, seine Leistung zu steigern. Die Firma Adidas beendete hingegen nach der positiven Dopingprobe ihre Zusammenarbeit mit dem Ullrich.

Unabhängig davon, inwiefern seine Ecstasy-Einnahme moralisch als illegale leistungsfördernde Manipulation, kurz: Doping, zu werten ist, gilt der inzwischen zurückgetretene Ullrich rein rechtlich als bereits einmal überführter Sünder. Sollte er also erneut des Dopings für schuldig befunden werden, was ihm momentan durch seine nicht mehr zu leugnende Verwicklung in den Skandal um Eufemaino Fuentes droht, muss Ullrich mit einer lebenslangen Sperre rechnen. Diese würde auch eventuelle Tätigkeiten als Berater von Radrennställen betreffen.

Klartext? Jan Ullrich auf einer Pressekonferenz am 6. Juli 2002 zu seinem positiven Befund

„Hallo. Ja gut, wir wissen ja auch alle, um was es geht. Die letzten zwei Tage wurde ja fleißig berichtet und ich will auch gar nicht drum herum reden…ich habe gestern dem Bund Deutscher Radfahrer schriftlich eingereicht meine Stellungnahme. Darin steht, dass ich auf die B- Probe verzichte. Das heißt also für mich, dass ich die A-Probe, die positive Probe, akzeptiere. Und dass ich zum ersten Mal in meiner doch schon jetzt langen Laufbahn positiv bin – positiv getestet wurde.

Im gleichen Atemzug muss ich natürlich sagen, dass es für mich klar steht, dass es für mich in dem Fall überhaupt kein Doping für mich ist. Und dass ich auch in meinen ganzen Jahren oder meiner ganzen Karriere noch niemals mit verbotenen Substanzen probiert habe, meine Leistungen zu verbessern…Die ganze Sache ist so entstanden, dass ich – wie jeder weiß – im Dezember Knieschmerzen bekommen habe. Dann immer wieder probiert habe, mit Aufbautraining und Reha-Maßnahmen wieder in das Renngeschehen zurück zu kommen. Es nicht geschafft habe, sehr sehr viele Anläufe genommen habe und immer wieder durch die Knieschmerzen zurückgeworfen wurde …

Das es für mich eine sehr sehr schwere Situation war, da es auch meine erste Verletzung überhaupt war … Und das ganze halbe Jahr habe ich probiert, wie gesagt, und bin ziemlich tief am Boden gewesen. Hab‘ dann die Tour absagen müssen. Dann kam noch der Autounfall dazu, was auch förderlich für diese Sache war und ich hab‘ mich dann entschieden, mein Knie operieren zu lassen. War dann anschließend in der Reha. Und es war für mich einfach kein Erfolg sichtbar …

Ich habe diesen Erfolg, den ich erwartet hatte, eigentlich nicht sehen können. Und deswegen denke ich auch, dass es menschlich war – vielleicht sagen viele, es war ein Fehler – aber für mich ist es eigentlich menschlich, dass ich abends dann auch mal um die Häuser ziehe. Mich auch mal einfach aus meinen vier Wänden bewege und auch mal irgendwo ein Ventil ablassen muss. Und, ja gut, die Sache ist die, dass ich am 11. weg war, mit Bekannten, und einiges getrunken hatte. Und unbewusst und, ja, eine Dummheit von mir, einfach.

Da habe ich überhaupt nicht überlegt, habe ich Tabletten bekommen, hab‘ die eingenommen ohne zu überlegen und war mir auch in dem Moment überhaupt nicht bewusst, dass ich irgendwas Falsches oder etwas Unkorrektes mache. Am nächsten Tag war die Kontrolle da…Es ist eine Riesendummheit für mich… Es waren keine unfairen Mittel zur Leistungssteigerung irgendwie, dass ich mir einen Vorteil verschaffen wollte. Sondern es war einfach eine Dummheit, die nicht verzeihlich ist… Und ich übernehme auch die volle Verantwortung dafür. Ja, das war’s eigentlich schon.“