Bjarne Riis

Positiv aufgefallen: 2007 Geständnis

Substanzen: Epo, Cortison, Wachstumshormone

Sperre: keine

Am 25. Mai 2007 gesteht Riis auf seiner eigens dafür einberufenen Pressekonferenz in Kopenhagen bei seinem Toursieg 1996 gedopt gewesen zu sein.

Die Bekenntnisse des Bjarne Riis zum Nachlesen:

Frage: „Herr Riis, in den vergangenen Tagen haben mehrere Telekom-Profis Doping in den 90er Jahren gestanden. Wie sieht es mit Ihrer Vergangenheit aus?“

Bjarne Riis: „Ich habe eigentlich nicht das Bedürfnis, etwas zu bekennen. Ich habe die Zeit eigentlich lange hinter mir gelassen. Ich war Radprofi im Guten wie im Bösen, hauptsächlich im Guten. Aber jetzt ist die Zeit gekommen, die Karten auf den Tisch zu legen. Ich habe Doping genommen. Ich habe Epo genommen. Das war Teil meines Alltags. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung. Aber so war die Zeit nun einmal damals. Ich war Radsportler zu den Bedingungen, die es damals gab. Ich bin froh, dass die Bedingungen heute nicht so sind.“

Frage: „Wie sind Sie zu Epo-Doping gekommen?“

Riis: „Ich habe die Doping-Präparate damals selbst gekauft und eingenommen. Es tut mir leid, dass die Ärzte nun bloßgestellt werden. Sie waren dafür zuständig, um auf unsere Gesundheit zu achten und das alles nicht Überhand nimmt.“

Frage: „Welche Dopingpräperate haben Sie eingenommen und über welchen Zeitraum lief die ganze Geschichte?“

Riis: „Ich habe Epo, Cortison und Wachstumshormone von 1993 bis 1998 eingenommen. Ich kann keine Details sagen. Ich habe das so weit hinter mir gelassen. Es war geplant, aber auf vernünftige Art und Weise. Ich war sehr auf meine Gesundheit bedacht. Ich habe es auf die Art und Weise gemacht, wie ich dachte, dass es vertretbar sei. Ich habe es begrenzt auf einige wenige Produkte. Damit fühle ich mich gut. Ich habe nie einen Hämatokritwert von 64 gehabt, wie d’Hont schreibt. Und ich hatte auch nie Gicht. Ich fühle mich fit. Ich könnte jederzeit aufs Rad steigen.“

Frage: „Wissen Sie, ob Jan Ullrich gedopt hat und was würden Sie ihm raten?“

Riis: „Ob er gedopt war, weiß ich nicht. Ich habe mit Jan nie über das Thema Doping gesprochen. Ich habe ihm nichts von mir erzählt und auch nicht nach ihm gefragt. Ich rate ihm, das zu sagen, was das Beste für ihn ist. Was das am Ende ist, ist mir egal.

Frage: „Sollte Ihr Toursieg von 1996 aberkannt werden?“

Riis: „Ich bin stolz auf meine Ergebnisse als Radsportler und als Teamchef. Ich fühle mich gut dabei. Ich habe dafür gekämpft und weiß, welche Arbeit ich dafür reingesteckt habe. Ich sage Entschuldigung, und ich hoffe, dass es damals trotzdem ein schönes Erlebnis für alle war. Ich habe die Leute angelogen und ich habe mir in die eigene Tasche gelogen. Man kann dopen, wie man will, aber wenn man nicht hart trainiert und kein überzeugter Sportler ist, schafft man auch keine Erfolge. Mein Gelbes Trikot liegt in einem Pappkarton in meiner Garage. Wenn ihr es mir abnehmen wollt, dann holt es euch. Es bedeutet mir nichts.“

Frage: „Wem sollte der Toursieg von 1996 zugesprochen werden?“

Riis: „Machen Sie doch eine Umfrage.“

Frage: „Warum äußern Sie sich erst jetzt zu Ihrer Vergangenheit?“

 

Riis: „Ich habe schon öfter darüber nachgedacht. Ich hatte immer schon vor, das irgendwann mal zu machen. Aber man muss auch das richtige Timing haben. 1998 wurden mir Fragen gestellt. Ich weiß, dass ich damals hätte antworten sollen. Aber ich war nicht vorbereitet und hatte keine Beratung. Es gab Niemanden, der mir sagen konnte, wie ich mich verhalten sollte. Es tut mir leid, gelogen zu haben. Aber das wird mir nicht mehr passieren.“

Frage: „Hat es systematisches Doping bei Telekom gegeben?“

Riis: „Das weiß ich nicht. Bei mir war es persönlich. Ich glaube, Walter Godefroot hatte da ein blindes Auge. Ob er was gewusst hat, weiß ich nicht. Aber ich kann mir schwer vorstellen, dass er nichts gewusst hat.“

Frage: „Hat ihr Geständnis Folgen für das CSC-Team?“

Riis: „Unsere wichtigsten Sponsoren sind informiert worden, aber ich bin froh für den Rückhalt. Und ich meine, dass ich den Posten, den ich habe, ausüben kann. Wenn die Leute meinen, ich soll die Koffer packen, dann werde ich das tun. Aber ich glaube nicht, dass das die Lösung ist. Ich glaube, dass der Radsport solche Leute wie mich braucht.“

Frage: „Hat es auch in Ihrem Team Doping gegeben?“

Riis: „Ich kann hier kein Geständnis im Namen von Ivan Basso oder Tyler Hamilton machen. Ich möchte mit niemandem auf den Finger zeigen. Heute könnte Tyler wohl nicht mehr das machen, wozu er offenbar damals die Freiheit hatte. Unser Testsystem war einfach nicht genug. Aber sie sind immer schwieriger zu hintergehen. Wir haben weiterhin kein optimales System, aber heute kann niemand unser Testsystem einfach hintergehen. Ich bin froh, dass ich heute eine Mannschaft habe, wo die Dinge etwas anders laufen. Ich bin froh, dass die Dinge sich radikal geändert haben. Und ich bin zum Glück ein Teil dieser Veränderungen.“

Frage: „Werden Sie sich aktiv am Anti-Doping-Kampf beteiligen?“

Riis: „Ich werde gerne Mittel bereitstellen, die erforderlich sind, um zu zeigen, dass meine Mannschaft sauber ist. Und da hoffe ich auch auf meine Sponsoren.“

(Quelle: n-tv.de)