Katjuschas neuer Teamchef: Der richtige Mann am richtigen Ort

Hätte es eine Stellenanzeige gegeben, sie wäre wohl kurz und knapp gewesen. Vielleicht folgendermaßen: Gesucht wird ein neuer sportlicher Leiter, der teaminternes Doping noch weniger erkennt als Vorgänger Hans Michael Holczer. Klingt schwierig, ist es aber nicht. Mit Wjatscheslaw Jekimow, einstiger Edelhelfer des Sportbetrügers Lance Armstrong beim US Postal Team, hat der russische Radrennstall Katjuscha, der regelmäßig positiv auffällt, den richtigen Mann gefunden.

Denn von Doping in seinem Team will Jekimov, der Armstrong zu fünf Toursiegen führte, nie etwas mitbekommen haben. Nicht einmal vom „höchstentwickelten, professionellsten und erfolgreichsten Dopingprogramm, das die Sportwelt jemals gesehen hat“, wie die USADA die Dopingpraktiken von Lance Armstrong und dessen US Postal Teams bezeichnet. „Ich habe damals nichts bemerkt“, sagt Jekimov auf die Anschuldigungen seines damaligen Mannschaftskameraden Tyler Hamilton, der Armstrong und seinen Teamkollegen von US Postal permanentes und systematisches Doping vorwirft. Damit wären die Stellenanforderungen des russischen Radsportteams, bei dem Doping Tradition ist, erfüllt. Zuletzt wurde im Frühjahr dieses Jahres mit Denis Galimsjanow ein Katjuscha-Profi positiv auf EPO getestet. Bei der Tour 2011 erwischte es Alexander Kolobnew – davor waren bereits der Österreicher Christian Pfannberger und der Spanier Antonio Colom aufgeflogen. Zudem wurden im Rahmen von Ermittlungen gegen den Dopingarzt Michele Ferrari die medizinischen Unterlagen von fünf Katjuscha-Profis von der italienischen Polizei beschlagnahmt. Und im Team befinden sich neben Denis Menchov, der Medienberichten zu Folge Kunde des Dopinghändlers Stefan Matschiner sowie der Blutbank Humanplasma war, noch weitere Fahrer mit zweifelhaftem Ruf. Beispielsweise der Italiener Di Luca, der 2010 vom Olympischen Komitee Italiens zu einer Dopingsperre von zwei Jahren und einer Geldstrafe von 280.000 Euro verurteilt wurde. Oder sein Landsmann Giampaolo Caruso, der 2003 wegen Dopings für ein halbes Jahr gesperrt war sowie der Spanier Ángel Vicioso, der in den Dopingskandal Fuentes verwickelt sein soll.

Ach so, dass Jekimov der richtige Mann am richtigen Ort ist, sieht auch Jens Voigt, ein alter Bekannter in diesem Blog, so. Via Twitter teilt er mit: ”Eki is the perfect man for this job, cause he knows how to win, how to work and how to suffer, he will lead by example!!” Dem ist nichts hinzuzufügen. Inzwischen benötigt auch sein Team RadioShack-Nissan einen neuen sportlichen Leiter, nachdem Johan Bruyneel, laut USADA-Bericht eine zentrale Figur des Dopingsystems um Lance Armstrong, entlassen wurde. Ob er denn auch gedopt habe wurde Jens Voigt von einem Twitterer vor ein paar Tagen gefragt. Was für eine unverschämte Frage – natürlich nicht: “No i did not dope in the past, i dont do it now and not planing it in the future.“  Eine Antwort, wie von der Omertà gewünscht. Jens Voigt, dessen aktive Karriere sich im Frühwinter befindet, jedenfalls hat verstanden: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – das sind anscheindend auch nach dem Dopingskandal um Lance Armstrong und dessen US Postal Team die Voraussetzungen für alle, die  in diesem System etwas werden wollen.


Kategorien: Doping, Radsport, Tour de Farce |

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One Response to “Katjuschas neuer Teamchef: Der richtige Mann am richtigen Ort”

  1. Ich befürchte ja, dass der ganze Kommerz dem Radsport nun mit der Aberkennung der Titel für Armstrong das Kreuz endgültig gebrochen hat. Das entwertet die Teams, Fahrer und auch die geschaltete Werbung…

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