Riccos Rückkehr

Es ist eine zweifelhafte Erfolgsgeschichte, die der Doper Riccardo Ricco derzeit schreibt. Nach Ablauf seiner Sperre ist er zurückgekehrt in den Schoß der Radsportfamilie und gehört seit Saisonbeginn wieder zum Peleton. Ein Sinneswandel ist nicht erkennbar und so ist es wenig erstaunlich, dass der für deutliche Worte bekannte britische Top-Sprinter Mark Cavendish urteilt: „It’s like a parasite coming back into the sport.“ Und auch die ersten Rennergebnisse sprechen gegen ihn für sich: Der angeblich neue Ricco ist nicht weniger erfolgreich als der alte.

Kurzer Rückblick auf die Tour de France 2008. Gleich zu Beginn der Rundfahrt gewinnt Riccardo Ricco – gedopt versteht sich – spielerisch leicht zwei schwere (Pyrenäen-)Etappen und übernimmt das gepunktete Bergtrikot. Vor dem Start zur 12. Etappe fliegt Riccos Schwindel auf – seine unglaubliche Leistung basiert auf Lug und Trug. Er wird positiv auf das Dopingpräperat Cera getestet und versucht filmreif im Teamwagen vor der Polizei zu flüchten. Doch er kommt nicht weit, wird zwischen zwei Autos gestellt und festgenommen.

Das erfolgreiche Comeback des neuen alten Riccos

Während seiner 20-monatigen Doping-Sperre wird Ricco Vater eines Sohnes – er heißt Alberto zu Ehren des Fuentes-Kunden und zweimaligen Siegers der Tour de France Alberto Contador, mit dem Ricco eng befreundet ist. Zu Saisonbeginn ist die selbsternannte Kobra, wie Ricco sich wegen seines dopingbedingten aggressiven Fahrstils nennt, nun wieder in den Rennbetrieb zurückgekehrt. Er ist im Team Ceramica Flaminia untergekommen, einer italienischen Mannschaft mit irischer Lizenz. Sein Comeback bezeichnet er als „das wichtigste Debüt meiner Karriere“. Er möchte der gesamten Radsportwelt beweisen, dass es jetzt den neuen Riccardo Ricco gibt.

Doch der neue Ricco ist der alte – sowohl was die Einstellung angeht als auch seine Erfolge im dopingverseuchten Radsport. Gleich zu Beginn der noch jungen Radsportsaison feierte Ricco zwei Etappensiege bei der Lombardischen Woche und musste sich in der Gesamtwertung nur Michele Scarponi geschlagen geben. Der ist in Sachen Doping ebenfalls kein Unbekannter: 2007 wurde er vom italienischen Radsportverband wegen der Verwicklung in die Dopingaffaire Fuentes für 18 Monate gesperrt.

Beim italienischen Spritzensport Highlight, dem Giro d’Italia, wird Rückkehrer Ricco in diesem Jahr allerdings noch nicht am Start sein, sein zweitklassiges Team hat keine Einladung erhalten. Ricco findet das ungerecht: „Man will mich noch zu einem zusätzlichen Jahr Fegefeuer zwingen, als ob die beiden Jahre Hölle nicht genügt hätten. Man will mich für all meine Sünden büßen lassen.“ Zum Thema Buße wiederum hat Ricco eine unter Dopern weit verbreitete Meinung: „Ich finde, das ist nicht fair.“


Kategorien: Doping, Radsport, Tour de Farce |

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