Buch zu verkaufen? Doping gestehen!

Ja, wir geben es zu: Wir sind genervt, mal wieder. Der Grund diesmal:

„Steven Rooks, der frühere Bergkönig der Tour de France, hat 14 Jahre nach Ende seiner Radsport-Karriere ein Doping-Geständnis abgelegt.“

Diese schöne Zeile hat der sid formuliert. Sie ist, mit Verlaub, totaler Unsinn, mal wieder. Denn tatsächlich hat Steven Rooks 14 Jahre nach dem Ende seiner Radsport-Karriere nur die Palette jener Doping-Präparate erweitert, zu deren Gebrauch er sich öffentlich bekennt.

Schon 1999, vor einem Jahrzehnt also, hatte Rooks gegenüber dem niederländischen Fernsehsender KRO eingestanden, in seiner Karriere systematisch mit Anabolika, Testosteron, Psychopharmaka und Amphetaminen gedopt zu haben. Rooks erklärte damals in Überstimmung mit seinen radelnden Landsleuten Peter Winnen und Maarten Ducrot, die Dopingmittel seien ihm von Teamärzten und Betreuern mit Wissen des jeweiligen Teamleiters gegeben worden.

Die Radrennställe leugneten jegliche Dopingpraktiken, natürlich. Joop Atsma, damaliger Präsident des niederländischen Radsportverbandes, sprang ihnen bei. Er erklärte lapidar, die Geständnisse von Rooks, Winnen und Ducrot seien „zu spät“ erfolgt und zudem „historisch überholt“.  Hein Verbruggen, damaliger Präsident des internationalen Radsport-Verbandes UCI, kritisierte Rooks, Ducrot und Winnen sogar für ihr Bekenntnis: „Mit ihrem Geständnis haben sie den Eindruck erweckt, in ihren Teams hätte es ein Doping-System gegeben und ihnen wäre nichts anderes übrig geblieben. Das ist totaler Unsinn.“

Stellt sich die Frage, warum Rooks zehn Jahre später sein Geständnis noch einmal erweitert und nun auch Epo-Doping gesteht. Will er nun doch noch eine Aufklärung seiner Vorwürfe forcieren? Die Antwort findet sich im zweiten Satz der sid-Meldung:

„In dem soeben erschienenen Buch ‚Das letzte Gelb‘ des niederländischen Journalisten Mart Smeets über die Tour de France 1989 räumte der 48-jährige Rooks ein, nach 1989 Epo genommen zu haben.“

Rooks will also sein Buch verkaufen – und darf sich dabei gewiss sein, dass die Medien und auch die Nachrichtenagenturen fleißig Werbung dafür betreiben. Das hat in der letzten Woche schon bei Laurent Fignon ganz vorzüglich geklappt, als aus Verkaufsgründen sogar ein Zusammenhang zwischen Bauchspeicheldrüsenkrebs und Doping konstruiert wurde. Das funktionierte im August/September 2008 ganz ausgezeichnet bei Declan Hill1, der im „Spiegel“ und bei „Beckmann“ für sein gerade erschienenes Buch „The Fix“ werben durfte – auch mit Behauptungen, die er wenig später relativierte.

Im Fall Rooks hätte der sid freilich wissen können, dass der Niederländer schon einmal Doping gestanden hat. Dazu hätte man nicht einmal nach „Steven Rooks Geständnis“ googlen und auf den ersten nicht gekauften Link klicken müssen. Es hätte gereicht, im eigenen Meldungsarchiv nach Steven Rooks zu suchen:

2. Januar 2000   Hollands Radprofis geben Doping offen zu
(sid)- Der Radsport kommt nicht aus den Doping-Schlagzeilen heraus. Im Gegenteil: Das Geständnis dreier ehemaliger niederländischer Radprofis in einer TV-Dokumentation bringt eine neue Qualität ins Spiel. Unisono erklärte das Trio, dass in den 80er-Jahren in den Teams ihres Heimatlandes systematisch Doping gebraucht worden ist. Gegenüber dem Fernseh-Journalisten Bernard Krikke vom Sender KRO sagten Steven Rooks, Peter Winnen und Maarten Ducrot unabhängig voneinander, dass ihnen die Dopingmittel von ihren Teamärzten und Betreuern mit Wissen des jeweiligen Teamleiters gegeben worden seien. Zu den verbotenen Mitteln gehörten Anabolika wie Testosteron, Amphetamine und auch Psychopharmaka.

  1. Es soll in diesem Zusammenhang natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass Declan Hill für seine investigativen Recherchen zum Thema Spielmanipulationen im Fußball jüngst mit dem „Play the Game 2009 award“ geehrt wurde. []

Kategorien: Doping, Medien, Radsport, Tour de Farce |

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

AddThis Social Bookmark Button

Eine Antwort hinterlassen