Zu gut, um wahr zu sein

Nachdem die Deutsche Presse-Agentur im vergangenen Jahr mehrmals Falschmeldungen aufgesessen war und im September 2009 schließlich sogar einen erfundenen Anschlag in einer erfundenen US-Stadt vermeldet hatte, wurde an die dpa-Mitarbeiter ein interner Leitfaden verschickt. In zwölf Punkten wurden Grundsätze formuliert und in Erinnerung gerufen, um ähnliche Fehlleistungen künftig auszuschließen. Das funktioniert, wie der Januar 2010 gezeigt hat, noch nicht durchgehend.

Dabei bietet gerade Punkt 7 des Leitfadens eine hervorragende Hilfestellung über alle Ressortgrenzen hinweg. Dort heißt es zur Überprüfung eingehender Meldungen unter anderem: “Eine Story, die zu gut ist, um wahr zu sein, ist vermutlich genau dies: nicht wahr.”

Soviel zur Theorie, zurück zur dpa-Praxis. Die las sich am Donnerstag um 6.23 Uhr so:

Bereits 30 Dopingfälle vor Vancouver

Vancouver (dpa). Vor den olympischen Spielen in Vancouver sind schon 30 Wintersportler vorab bei Dopingkontrollen positiv getestet worden. Dies teilte John Fahey, Präsident der Welt-Anti-Doping- Agentur der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees mit. Die Kontrollen sind in den Wochen vor den Winterspielen gemacht worden. Über Einzelheiten zu den Fällen und Sanktionen wurde zunächst nichts bekannt. Nach Auskunft von IOC-Sprecher Mark Adams hat es im Rahmen des olympischen Testprogramms bisher 554 Dopingproben gegeben.

Viel Arbeit für unseren Olympia-Dopingspiegel, schwante uns. Wie gut, dass IOC-Kommunikationsdirektor Mark Adams zunächst keine näheren Informationen abgeben wollte und stattdessen auf eine Wada-Pressekonferenz am Donnerstagabend (MEZ) verwies. Und noch besser, dass die dpa nach dieser PK um 21.44 Uhr schon wieder Entwarnung geben konnte:

WADA: Die 30 Doping-Fälle sind bekannt

Vancouver (dpa) – Die zunächst höchst brisante Meldung von mehr als 30 positiv getesteten und von den Olympischen Winterspielen in Vancouver ausgeschlossenen Athleten erwies sich als Sturm im Reagenzglas. (…)

Oder, um es mit dem Konkurrent Sport-Informationsdienst (sid) zu sagen:

“Das Startverbot für über 30 Athleten bei den  Olympischen Spielen in Vancouver hat sich als PR-Bluff der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) entlarvt.”

Oder, um es mit der dpa zu sagen: “Eine Story, die zu gut ist, um wahr zu sein, ist vermutlich genau dies: nicht wahr.”







Kategorien: Doping, Medien, Olympia |

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