Sehenswert (III) – “Geheimsache Doping – Eiskalter Betrug”
Freuen Sie sich schon auf die Olympischen Winterspiele in Vancouver, auf Spitzenleistungen und Weltrekorde? Dann sind Sie bei ARD und ZDF vom 12. bis zum 28. Februar 2010 genau richtig – jedoch sollten Sie es tunlichst vermeiden, in der Nacht von Montag auf Dienstag die ARD einzuschalten und sich den Spaß an den Spielen verderben zu lassen.
Für alle anderen jedoch, die sportliche Höchstleistungen skeptisch betrachten und gerne einen “Einblick in die raffinierten Dopingpraktiken in den Wintersportdisziplinen” erhalten wollen, ist die ARD-Sendung “Geheimsache Doping – Eiskalter Betrug” von den Autoren Hajo Seppelt, Robert Kempe und Jochen Leufgens Pflicht. Da sich die ARD gute Einschaltquoten bei Olympia erhofft und Nörgler “beim Höhepunkt des Sportjahres 2010″ nur stören, hat die ARD die Dokumentation auf einen wenig quotenträchtigen Programmplatz um kurz nach Mitternacht verfrachtet.
All denjenigen, die sich bis dahin nicht von “Beckmann” haben einschläfern lassen und kurz vor den “Komikern” noch wach sind, bieten Seppelt, Kempe und Leufgens einen Blick hinter die Fassade des schillernden Wintersportzirkus und Einblicke in “ausgeklügelte Dopingmethoden”. Zudem sprechen die Autoren mit einem Hintermann, der den Anti-Doping-Kampf der Sportverbände als “Farce” bezeichnet und einem Topathleten aus dem Nordischen Skisport, der den massiven Einsatz von Dopingmitteln im Wintersport schildert, die Heuchelei des Sportsystems demaskiert. Es ist zu hoffen, dass die ARD diesmal den großen Ankündigungen auch Taten folgen lässt und nicht wieder alten Wein in neuen Fässern präsentiert.
Wenn selbst die eigenen Redakteure zu dem Schluss kommen, dass “internationalen Sportorganisationen trotz großer Verdachtsmomente nicht annähernd die Möglichkeiten ausschöpfen, mutmaßliche Doper zu überführen”, bleibt die Frage, ob es gerechtfertigt ist, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF eine Menge Gebührengelder aufwenden, um allein im Fernsehen mehr als 300 Stunden live über ein Spritzensportereignis zu berichten. Damit sich diese Frage möglichst wenige Zuschauer stellen, dürfen Seppelt & Co. wie schon vor der Leichtathletik-WM erst nach Mitternacht auf den Sender. Sicher ist sicher.
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