Gesagt ist gesagt (XVI)

[Aktualisiert: 24.02.2009 um 22.00 Uhr; veröffentlicht: 23.02.2009 um 17.42 Uhr]

“Derzeit kann ich nicht viel machen, ich muss warten, wie die Dinge laufen”
(Mehr hatte der österreichische Nationalspieler Andreas Ibertsberger bisher nicht zu seinem Verstoß gegen die Anti-Doping-Richtlinien zu sagen. Ibertsberger und sein Hoffenheimer Teamkollege Christoph Janker erschienen nach dem Spiel bei Borussia Mönchengladbach (1:1) am 7. Februar zehn Minuten zu spät zur Dopingprobe und lösten damit eine kontroverse Diskussion aus)

“Im Protokoll steht, dass zwei Spieler angeblich ein paar Minuten zu spät gekommen sein sollen – wie auch immer man diese Zeitspanne fasst.”
(Jan Schindelmeiser, sonst recht forscher Manager der TSG 1899 Hoffenheim, spielt die Dopingfälle Ibertsberger und Janker bewusst herunter.)

“Dopingvorwürfe kann es keine geben, weil bei uns nicht gedopt wird.”
(Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick rechtfertigt sich für Vorwürfe, die niemand erhoben hat)

“Ich kann mir hier eine Manipulation in diesen zehn Minuten nicht vorstellen.”
(Rainer Koch, DFB-Vizepräsident und Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes, glaubt  offensichtlich noch an Weihnachtsmann und Osterhase)

“Ich will den Spielern nicht unterstellen, dass sie manipuliert haben. Deshalb würde eine Sperre von einem oder zwei Monaten ausreichen. Wichtig ist, dass allen Profis klargemacht wird, was ihnen in einem solchen Fall blüht.”
(Als Vorsitzender des Sportausschusses im Deutschen Bundestag und (Achtung!) Rechtsanwalt sollte Peter Danckert (SPD) die Gesetzeslage eigentlich kennen. Jetzt wissen wir aber wenigstens was er meinte als er vorschlug, die Bundespolitik müsse noch einmal über das deutsche Antidopinggesetz debattieren.)

“Es ist ja nicht wie im Radsport so, dass die Profis irgendwohin flüchten können. Wir haben geschlossene Stadien, da kann eigentlich nichts passieren.”
(Nochmals Rainer Koch, diesmal mit einer beruhigenden Antwort auf die Frage, ob “Doping-Kontrolleure – wie zum Beispiel im Radsport – Helfer dabei [haben], die die ausgelosten Spieler an die Hand nehmen und ohne Umwege zum Kontrollraum bringen.”)

„Ein Jahr Sperre ist auf den ersten Blick und auch aus unserer Sicht eine harte und unverhältnismäßige Entscheidung.“
(Rainer Koch zum Dritten: Diesmal kritisiert er das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS), der zwei Spieler des italienischen Zweitligisten Brescia Calcio zu einer Sperre von je einem Jahr verurteilte, weil sie nach einem Ligaspiel im Dezember 2007 knapp 30 Minuten zu spät zur Dopingkontrolle erschienen waren)

“Nach meinem Rechtsverständnis haben sie nichts zu befürchten.”
(Ralf Rangnick, Richter am CAS Trainer der TSG 1899 Hoffenheim nimmt das Urteil bereits vorweg.)

“Ein Jahr Sperre wäre eine Ungeheuerlichkeit sondergleichen. Ein solches klassisches Berufsverbot hätte letztendlich auch vor der EU keinen Bestand.”
(Auch Michael Meier, Sonderbeauftragter der Europäischen Union Manager des 1. FC Köln, weiß dass die ganze Sache im Sande verlaufen wird)

“Eine Bestrafung von einem Jahr für Ibertsberger und Janker wäre unverhältnismäßig, da dies ihre Karriere ruinieren würde.”
(Udo Lattek, der DSF-RechtsBundesligastammtisch-Experte kann seine Meinung leider nicht für sich behalten – und äußert sich deshalb mit Stammtischparolen)

“Da bewegen wir uns in einer Grauzone. Als Angestellte von Borussia Mönchengladbach müssen wir natürlich die Interessen des Klubs wahren. Deshalb haben wir den Schritt getan. Wir haben nur reagiert. Das hätte jeder andere Klub auch getan. Auf die zwei Punkte sind wir gar nicht aus.”
(Max Eberl, Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, hat zurecht wenig Hoffnung, die beiden Punkte am Grünen Tisch zugesprochen zu bekommen. Nach dem Reglement gilt eine Fußball-Mannschaft erst dann als komplett gedopt, wenn mehr als zwei Spieler positiv getestet wurden. Pro Team werden sicherheitshalber aber nur zwei Spieler zur Dopingprobe nach dem Spiel ausgelost.)

“Es wird sich zerlaufen und ausgehen wie das Hornberger Schießen. Wir gehen davon aus, dass wir gegen Hoffenheim 1:1 gespielt haben.”
(Gewohnt ironisch kommentiert Borussen-Trainer Hans Meyer den von Max Eberl eingelegten Protest)

“Das ist ein Witz, ein absoluter Witz.”
(Rudi Völler, den die “unsägliche Doping-Diskussion” im Fußball sowieso nervt, fehlt mal wieder “jegliches Versändnis” dafür, “wer sich da alles zu Wort meldet und Kübel von Dreck über den Fußball ausschütten darf“. Deshalb äußert er sich so differenziert, wie man es von einem Manager erwartet kann, dessen Team die Werkself eines Pharmakonzerns ist)

“Das hat mit Solidarität nichts zu tun. Da sollte man eine sportliche Lösung finden.”
(Auch Dietmar Beiersdorfer, Sportdirektor des HSV, schaltet sich in die Diskussion ein und äußert seine durchaus eigenwillige Meinung zum berechtigten Protest von Borussia Mönchengladbach)

“Bei uns war es in der Vergangenheit des öfteren so, dass sogar der Dopingbeauftragte gesagt hat, die Spieler können nochmal kurz in die Kabine gehen und sollen sich ein frisches Trikot anziehen”
(Ralf Rangnick mit dem Versuch aus dem Dopingfall ein Kavaliersdelikt zu machen)

“Was haben die beiden denn schon gemacht. Früher in Halle hat mal ein Schiedsrichter für einen Spieler gepinkelt.”
(Hans Meyer schwärmt von der gute alte Zeit, als gedopte trainingsfleißige DDR-Athleten noch das Maß der Dinge waren und erstaunliche 578 olympische Medaillen gewinnen konnten.)

“Man kann davon ausgehen, dass der DFB im Anti-Doping-Kampf vorbildlich arbeitet und den Code der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und der NADA präzise umsetzt. Dafür hat der DFB in die fachliche Kompetenz.”
(Doch es gibt Hoffnung: Armin Baumert, NADA-Vorstandsvorsitzender, macht Mut, dass das Dopingvergehen konsequent geahndet wird)

“(D)as hier ist ein Dopingfall, ganz klar! Da kann es null Toleranz geben, das unangemessene Verhalten der Spieler ist zu sanktionieren, denn sie haben die Regeln gebrochen.”
(Armin Baumert legt nach.)

“Sollten die Spieler beweisen können, dass sie nicht wussten, dass sie unmittelbar nach Spielschluss zur Dopingkontrolle müssen, könnte man zu dem theoretischen Ergebnis kommen, keine Strafe zu verhängen.”
(Der Rechtsanwalt Nicolas Roessler sieht das etwas anders.)

“Mir sind keine Umstände bekannt, die auf ein Fehlen des Verschuldens hinweisen.”
(Dirk-Reiner Martens, im Gegensatz zu Ralf Rangnick tatsächlich Richter am Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne findet klare Worte.)


Kategorien: Doping, Fußball |

Blogeintrag drucken

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

AddThis Social Bookmark Button

6 Responses to “Gesagt ist gesagt (XVI)”

  1. Als ob man in diesen 10 Minuten irgendwas Verbotenes machen könnte oder das Verbotene wieder ungeschehen machen könnte. Völliog absurd. Wir leben doch nicht im 21. Jahrhundert! Sport und insbesondere Fussball ist ne ganz saubere, möchte sagen, blütenweiße Sache.

  2. Tolles Clipping – hätt ich fast vergessen.

  3. Sehr schöne Zusammenstellung.
    Offensichtlich bedarf es nicht vieler ergänzender Worte, um die Handelnden bloßzustellen – sie tun es gerne selbst.

  4. Tobi Kiefer Says:

    Großartige Zusammenfassung.

    Mir fehlt nur noch der Spruch: “Doping im Fußball – bringt doch eh nix.” Hat doch bestimmt einer gesagt, wahrscheinlich sogar der Udo.

  5. [...] sein muss. Aus Angst davor, der Dialog könnte abbrechnen und Leute wie Rudi Völler im öffentlichen Diskurs die rhetorische Oberhand gewinnen, werden Selbstverständlichkeiten öffentlicht gelobt. Das klingt [...]

  6. [...] wurde zum Skandal, als der Fall die Presse erreichte und die Bundesliga, Vereine, DFB und DFL, zur öffentlichen Stellungnahme gezwungen waren. Den Auftakt machte Rainer Koch, wohlgemerkt Vorsitzender der [...]

Eine Antwort hinterlassen