Schmieren für Anfänger (Lesenswert VII)
Wenn es stimmt, was Erik Eggers schreibt, dann hat der Deutsche Handball-Bund (DHB) 2002 versucht, sich die Ausrichtung der WM 2005 zu erkaufen – mit einer Zahlung von 50.000 Dollar an den favorisierten Mitkonkurrenten Russland. Die Russen stimmten zu, doch die WM ging blöderweise an Tunesien. Nach der überraschenden Niederlage wütete DHB-Präsident Ulrich Strombach in aller Öffentlichkeit über fehlende Transparenz und gekaufte “Stimmkartelle”, organisiert von Hassan Moustafa, dem Präsidenten des Handball-Weltverbandes IHF.
Das hat im Nachhinein natürlich ein gewisses Geschmäckle, doch Strombachs Ärger war überaus verständlich: Schließlich stand der DHB nach der WM-Vergabe an Tunesien vor dem Dilemma, Russland 50.000 Dollar zu schulden, aber keine 50.000 Dollar zu haben, da diese erst von einem WM-Sponsor bezahlt werden sollten. Und jetzt wird die ganze Sache richtig bizarr, denn: Wenn es stimmt, was Eggert schreibt, half ausgerechnet IHF-Boss Hassan Moustafa dem klammen DHB aus der Klemme. Der Weltverband ließ die Bestechung nicht nur unbestraft, sondern schoss dem DHB sogar noch 40.000 Dollar vor und machte sie somit zu einer “Bestechung auf Pump”. Die IHF-Zahlung wurde später mit dem Betrag verrechnet, den der DHB vom Weltverband für die Ausrichtung der WM 2007 erhielt.
Aufgeschrieben hat Eggers die ganze Geschichte zuerst für die “Frankfurter Rundschau”. Jens Weinreich hat sie aus persönlichem Interesse zum Anlass genommen, das Thema “Korruption im Handball” in einem “hundsgemein langen Blogeintrag” mit Originaldokumenten, weiteren Eggers-Artikeln, TV-Beiträgen und vielen, vielen Links aufzudröseln. Das alles ist äußerst lesenswert. Ein Lesevergnügen ist es angesichts der Thematik nicht.
Kategorien: Korruption, Lesenswert, Sportpolitik |
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September 30th, 2008 at 22:18
So etwas nennt man dann wohl eine Schmierenkomödie.
Juni 4th, 2009 at 23:10
[...] des Sports und vor allem des Handballs geschadet.” [↩]Natürlich mit den Stimmen des Deutschen Handball-Bundes. [↩]Der inzwischen das Interesse an den Manipulationen im Handball wieder verloren hat. [...]