Hinterm Horizont geht’s weiter

Juli 19th, 2010 sportticker Posted in Doping, Fußball, Sportpolitik No Comments »

Seit vorletztem Sonntag also ist die 19. Fußball-Weltmeisterschaft Geschichte. Die Premieren-WM schlechthin und gleichzeitig der größte Fehler von Sepp Blatter, wie Uli Hoeneß vorab schwadronierte. Was er wohl jetzt sagen würde, wenn er nicht mitten im Wahlkampf wäre? Egal, denn auf jeden Fall war es auch die Endrunde mit dem brutalsten Endspiel aller Zeiten und der sonderbarsten Regelauslegung eines Schiedsrichters.

Beim Finale ist Fifa-Boss Sepp Blatter ausgebuht worden, hat das aber überhört. Im Überhören ist Blatter geübt, Buhrufe werden ihm immer wieder zuteil. Am vorletzten Sonntag in Johannesburg war Blatter wahrscheinlich auch der Meinung, die stehenden Ovationen für den ins Stadion genötigten Nelson Mandela – 91 Jahre alt, krank gebrechlich, um seine nach Eröffnungsfeier verunglückte Urenkelin trauernd – galten eigentlich ihm, dem “Afrikaner” und Heilsbringer Südafrikas. Read the rest of this entry »

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Sieg oder Siebter – die HGH-Frage?

Mai 5th, 2010 sportticker Posted in Doping, Rekorde No Comments »

Wachstumshormone, kurz HGH (Human Growth Hormone), erhöhen die sportliche Leistungsfähigkeit. Was zu beweisen war, hat eine Forschergruppe am Garvan Institute of Medical Research in Sydney unter der Leitung von Ken Ho nun nachgewiesen. Ho kennt sich aus mit HGH, er hat bereits an über hundert Studien zum Thema Wachstumshormone mitgewirkt. 2007 hat er schon einmal von sich reden gemacht, als er den Durchbruch bei der Enttarnung von HGH-Dopern mit einem neuen Nachweisverfahren verkündet hatte.  “Meine Botschaft an die Athleten lautet: Es wird jetzt schwerer zu betrügen”, ließ Ho die Welt damals wissen.

Gut drei Jahre später wurde das unter Spitzensportlern scheinbar populäre Doping mit Wachstumshormonen tatsächlich erstmals nachgewiesen, allerdings nicht mit Hos Testverfahren und auch nicht bei Mark McGwire, wie die dpa behauptet. Anschließend verkündete WADA-Generalsekretär David Howman in Anlehnung an Ho vollmundig: “Nun wird damit eine starke Botschaft an Athleten gesendet, die den Missbrauch mit HGH riskieren wollen und nun ultimativ entdeckt werden können. Wir kriegen euch.” Immerhin: Wenn der zweite, weitaus praktikablere HGH-Test wie angekündigt tatsächlich noch 2010 marktreif wird, könnte da etwas dran sein.

Dass HGH wirkt, würden Heerscharen von Athleten sicher sofort bestätigen, wenn die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Wachstumshormone nicht in ihre Liste der verbotenen Substanzen aufgenommen hätte. Dass sie dort zurecht stehen, kann man in der Studie “The Effects of Growth Hormone on Body Composition and Physical Performance in Recreational Athletes. A Randomized Trial” nachlesen, die am Montag in den “Annals of Internal Medicine” (Vol. 152, No. 91-44) veröffentlicht und hauptsächlich von der WADA finanziert wurde.

Das Setting und die Ergebnisse der Studie im Überblick:

Teilnehmer: 961 Freizeitsportler (63 Männer, 33 Frauen; Durchschnittsalter: 27,9 Jahre, Altersspanne: 18 bis 40 Jahre) , die seit mindesten einem Jahr regelmäßig trainierten.

Vorgehen: Vor Beginn der Testreihe wurden die Körperdaten (fat mass, lean body mass, extracellular water mass, and body cell mass) und die physische Leistungsfähigkeit (Ausdauer, Stärke, Kraft, Sprintfähigkeit mit einem Fahrrad) der Teilnehmer erhoben.Anschließend erhielt per Zufallsauswahl jeweils eine Hälfte der männlichen und weiblichen Teilnehmer acht Wochen lang täglich Salzwasserinjektionen, die andere Wachstumshormone (2 mg/d, subkutan). Jeder zweite, zufällig ausgewählte männliche Teilnehmer erhielt zudem während der Studie Testosteron (250 mg/wk, intramuskulär), der Rest Salzwasserinjektionen. Read the rest of this entry »

  1. diese Teilnehmerzahl wird im offiziellen Abstract genannt – in der allgemeinverständlichen Zusammenfassung für Patienten ist von 103 Teilnehmern die Rede []
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Riccos Rückkehr

April 19th, 2010 Olaf Posted in Doping, Radsport, Tour de Farce No Comments »

Es ist eine zweifelhafte Erfolgsgeschichte, die der Doper Riccardo Ricco derzeit schreibt. Nach Ablauf seiner Sperre ist er zurückgekehrt in den Schoß der Radsportfamilie und gehört seit Saisonbeginn wieder zum Peleton. Ein Sinneswandel ist nicht erkennbar und so ist es wenig erstaunlich, dass der für deutliche Worte bekannte britische Top-Sprinter Mark Cavendish urteilt: “It’s like a parasite coming back into the sport.” Und auch die ersten Rennergebnisse sprechen gegen ihn für sich: Der angeblich neue Ricco ist nicht weniger erfolgreich als der alte. Read the rest of this entry »

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Gesagt ist gesagt – auch wenn es gelöscht ist

März 21st, 2010 sportticker Posted in Doping, Medien No Comments »

Die “Bild”-Zeitung hat unter der Überschrift “Pechstein wütet gegen Kritiker” folgenden in ihren Augen wütenden Satz von Claudia Pechsteins Homepage zitiert:

„Da stellen die renommiertesten Blutexperten (Hämatologen) des Landes die Diagnose, dass eine hereditäre Sphärozytose bei mir für erhöhte Retikulozyten sorgt und dann stellt ein Pharmakologe (Prof. Sörgel) die Spezialisten der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) einfach in Frage.“

Wer das Zitat direkt bei Claudia Pechstein nachlesen wollte, wurde enttäuscht. Nichts zu finden auf der Seite, alles ganz nüchtern, harmlos direkt. Von Wut keine Spur, vom “Bild”-Zitat auch nicht.

Als Erklärung blieben zwei Möglichkeiten:

1. Die “Bild” hat mal wieder so gearbeitet, wie es auf BILDblog seit Jahren dokumentiert wird – was allerdings bei einem schriftlich niedergelegten Zitat plus Nennung der Quelle selbst für “Bild”-Verhältnisse ungewöhnlich dreist wäre.

2. Auf www.claudia-pechstein.de wird so informiert, wie das anderswo schon länger vermutet wird – es wurde nachträglich nachgebessert, in diesem Fall ohne Hinweis gelöscht. Was heute dort steht, muss morgen nicht mehr zwingend gelten. Das Recht der Hausherrin eben. Read the rest of this entry »

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Olympische Spiele 2010: Dopingspiegel

März 16th, 2010 Olaf Posted in Doping No Comments »

[Erstellt: 22. Januar 2010 - zuletzt aktualisiert: 16. März 2010]

Der Kampf gegen Doping soll bei den Olympischen Winterspielen vom 12. bis 28. Februar in Vancouver weiter verstärkt werden. Zur Abschreckung sowie zur Aufklärung von Dopingvergehen sollen eine drastisch erhöhte Zahl von Kontrollen sowie ein modernes Analyselabor beitragen. Im Vergleich mit den Olympischen Spielen von Turin 2006 soll der Umfang der Tests um knapp 70 Prozent auf rund 2000 Kontrollen erhöht werden: 1600 auf Urin und 400 auf Blut.

Zudem sollen die Doping-Proben, wie bereits die der Olympischen Spiele von Peking, acht Jahre lang aufbewahrt werden, um sie nachträglich mit neueren wissenschaftlichen Verfahren auf zunächst unentdeckte Doping-Mittel untersuchen zu können.

Der Anti-Doping Experte Prof. Werner Franke hält die Dopingkontrollen in Vancouver für “Mumpitz”, weil “einfach zu unintelligent getestet” wird. Sportler, die sich bei den Olympischen Spielen erwischen lassen, müssen daher seiner Ansicht nach aus “Doofmannshausen” kommen.

Da Franke jedoch davon ausgeht , dass in Vancouver die “Mehrzahl der Spitzenathleten gedopt ist”, werden wir an dieser Stelle über diejenigen Athleten berichten, die im Vorfeld und im Rahmen von Olympia trotz unintelligenter Kontrollen positiv getestet werden. Dabei orientieren wir uns am Dopingspiegel, den wir bereits für die Leichtathletik-WM in Berlin erstellt haben.

Platz
Land
(Punktzahl)
Olympia
Vorfeld
1
Russland
(3)

1. Nijas Nabejew (Nordische Kombination – erhöhte Hämoglobin-werte)
Nabejew wurden vom internationalen Ski Verband (FIS) mit einer Schutzsperre belegt und bis einschließlich 16. Februar von den Wettbewerben ausgeschlossen.

1. Swetlana Terentewa
(Eishockey – Tuaminophetan) Terentewa wurde bei einer Trainingskontrolle positiv getestet. Da die Substanz Tuaminophetan lediglich im Wettbewerb verboten ist, nicht aber im Training, erhielt die Russin nur eine Verwarnung und darf an Olympia teilnehmen.)
2. Alena Sidko
(Skilanglauf – EPO)
Sidko, die 2006 bei den Olympischen Spielen in Turin Bronze im Sprint gewonnen hatte, soll bei einem Wettkampf am 26. Dezember 2009 positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet worden sein.)
2 Deutschland
(2)

1. Claudia Pechstein
(Eisschnelllauf – auffällige Blutwerte)
Die Deutsche Einsschnelllauf-Gemeinschaft hat die wegen Doping gesperrte Berlinerin trotzdem unter Vorbehalt für die Olympischen Spiele nominiert. Der Deutsche Olympische Sportbund verrzichtet auf eine Nominierung – damit gehört Pechstein nicht zum Aufgebot. Inzwischen hat das Schweizer Bundesgericht Pechsteins Eilantrag, trotz einer zweijährigen Doping-Sperre durch den Eislauf-Weltverband ISU starten zu dürfen, abgelehnt.)
2.
Florian Busch
(Eishockey – verweigerte Dopingprobe)

3

Österreich
(1)

1. Christian Hoffmann
(Skilanglauf – kein positiver Dopingtest)
Hoffmann steht im Verdacht, Mitbesitzer einer Zentrifuge zum Blutdoping gewesen zu sein.
4 Estland
(1)
1. Kaspar Kokk (Skilanglauf – erhöhte Hämoglobinwerte)
Kokk wurden vom internationalen Ski Verband (FIS) mit einer Schutzsperre belegt und bis einschließlich 16. Februar von den Wettbewerben ausgeschlossen.
5

Neuseeland
(1)

1. Benjamin Koons (Skilanglauf – erhöhte Hämoglobinwerte)
Koons wurden vom internationalen Ski Verband (FIS) mit einer Schutzsperre belegt und bis einschließlich 18. Februar von den Wettbewerben ausgeschlossen.
6 Slowakei
(1)
1. Lubomir Visnovsky (Eishockey – Pseudoephedrin)
Visnovsky, slowakischer Eishockey-Profi und Weltmeister von 2002, wurde positiv auf Pseudoephedrin getestet. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sprach jedoch lediglich eine Verwarnung aus.
7

Polen
(1)

1. Kornelia Marek (Skilanglauf – EPO)
Die polnische Langläuferin Kornelia Marek wurde rund zwei Wochen nach dem Ende der Olympischen Spiele des Dopings überführt.
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Nicht ZEITgemäß

März 16th, 2010 sportticker Posted in Doping, Medien No Comments »

Dass “Zeit.de” mit seiner Kommentarfunktion mitunter nicht wirklich viel anzufangen weiß, wissen wir schon etwas länger. Wie schlimm es wirklich ist, haben wir offensichtlich unterschätzt.

nicht_zeitgemaess2Screenshot: zeit.de

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Zu gut, um wahr zu sein

Februar 12th, 2010 sportticker Posted in Doping, Medien, Olympia No Comments »

Nachdem die Deutsche Presse-Agentur im vergangenen Jahr mehrmals Falschmeldungen aufgesessen war und im September 2009 schließlich sogar einen erfundenen Anschlag in einer erfundenen US-Stadt vermeldet hatte, wurde an die dpa-Mitarbeiter ein interner Leitfaden verschickt. In zwölf Punkten wurden Grundsätze formuliert und in Erinnerung gerufen, um ähnliche Fehlleistungen künftig auszuschließen. Das funktioniert, wie der Januar 2010 gezeigt hat, noch nicht durchgehend.

Dabei bietet gerade Punkt 7 des Leitfadens eine hervorragende Hilfestellung über alle Ressortgrenzen hinweg. Dort heißt es zur Überprüfung eingehender Meldungen unter anderem: “Eine Story, die zu gut ist, um wahr zu sein, ist vermutlich genau dies: nicht wahr.”

Soviel zur Theorie, zurück zur dpa-Praxis. Die las sich am Donnerstag um 6.23 Uhr so:

Bereits 30 Dopingfälle vor Vancouver

Vancouver (dpa). Vor den olympischen Spielen in Vancouver sind schon 30 Wintersportler vorab bei Dopingkontrollen positiv getestet worden. Dies teilte John Fahey, Präsident der Welt-Anti-Doping- Agentur der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees mit. Die Kontrollen sind in den Wochen vor den Winterspielen gemacht worden. Über Einzelheiten zu den Fällen und Sanktionen wurde zunächst nichts bekannt. Nach Auskunft von IOC-Sprecher Mark Adams hat es im Rahmen des olympischen Testprogramms bisher 554 Dopingproben gegeben.

Viel Arbeit für unseren Olympia-Dopingspiegel, schwante uns. Wie gut, dass IOC-Kommunikationsdirektor Mark Adams zunächst keine näheren Informationen abgeben wollte und stattdessen auf eine Wada-Pressekonferenz am Donnerstagabend (MEZ) verwies. Und noch besser, dass die dpa nach dieser PK um 21.44 Uhr schon wieder Entwarnung geben konnte:

WADA: Die 30 Doping-Fälle sind bekannt

Vancouver (dpa) – Die zunächst höchst brisante Meldung von mehr als 30 positiv getesteten und von den Olympischen Winterspielen in Vancouver ausgeschlossenen Athleten erwies sich als Sturm im Reagenzglas. (…)

Oder, um es mit dem Konkurrent Sport-Informationsdienst (sid) zu sagen:

“Das Startverbot für über 30 Athleten bei den  Olympischen Spielen in Vancouver hat sich als PR-Bluff der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) entlarvt.”

Oder, um es mit der dpa zu sagen: “Eine Story, die zu gut ist, um wahr zu sein, ist vermutlich genau dies: nicht wahr.”






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