Der “Sport-Tag” geht, Johnnie Walker kommt

April 20th, 2010 sportticker Posted in Medien No Comments »

Seit dem 15. März 2010 erschien Deutschlands “erste Sporttageszeitung” mit dem originellen altbackenen naheliegenden Namen “Der Sport-Tag”1. Zunächst in Berlin, wenige Tage später unter anderem in Hamburg, seit dem 8. April dann in Nordrhein-Westfalen: “Es geht voran bei Der Sport-Tag. Nach Berlin und Brandenburg, Hamburg, Hannover und Bremen jetzt endlich der Start im bevölkerungsreichsten Part von Deutschland”, jubilierte die SIM Verlagsgesellschaft.

Am Premierentag hatte Verleger Michael Hahn (u.a. “Nur TV”, “TV Sudoku”) dem “Tagesspiegel” auf die Frage “Ist Ihr Projekt ein gedruckter Anachronismus?” schließlich treuherzig versichert: “Das denke ich nicht. Ich glaube viel mehr, dass der deutsche Zeitungsmarkt diese tägliche Sportzeitung seit zwanzig Jahren braucht, es hat sich nur noch niemand getraut, eine zu machen.” Der “Berliner Zeitung” sagte Hahn,das Projekt werde nicht am Geld scheitern: Fünf stille, aber umso sportbegeistertere Investoren stünden hinter der Zeitung. Erklärtes Ziel war es, bis zum Start der Fußball-WM im Juni täglich 500.000 Exemplare zu verkaufen.

Seit Montag steht fest: Der Kaltstart im März, der erst am Sonntag vor dem erstmaligen Erscheinen angekündigt wurde, war ein kapitaler Fehlstart. Die SIM Verlagsgesellschaft teilte mit, Der Sport-Tag erscheine künftig nur noch montags, vorerst aber zunächst gar nicht mehr. Weitergehen soll es erst am 3. Mai 2010, dann aber von “TV-Spots begleitet”. Auch die personelle Kontinuität ist laut Hahn gewährleistet, so die Mitarbeiter denn weiter mitarbeiten wollen: “Die Redaktion kann vollständig weiterarbeiten, sofern der einzelne nicht andere Pläne hat.” (Meedia)

sport_tag

Grund für Pause und Umstellung: in Bayern, Baden-Württemberg, Rhein-Main und den neuen Bundesländern fehlen Druckstandorte, dadurch sei die bundesweite flächendeckende Verbreitung noch nicht zu gewährleisten, die aber Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg sei. Das heißt: Das Projekt ist vorerst am Geld gescheitert. Warum man sich nicht vor dem Start um ausreichende Druckkapazitäten bemüht habe, teilte die SIM nicht mit. Dafür aber, dass ein Ausbau der Druckkapazitäten ebenso weiter angestrebt werde wie eine Rückkehr zur täglichen Erscheinungsweise. Bis zum Start der neuen Bundesligasaison soll der “Sport-Tag” wieder täglich und bundesweit zu erhalten sein.

Falls das doch nicht klappt und auch im Mai beim “Sport-Tag” noch nicht alles neu ist, zum Über- und Rückblick ein paar Fakten aus der Eigenvorstellung plus -werbung (als pdf) sowie von der Homepage:

  • Vorbild für den “Sport-Tag” sind natürlich nicht die eingestellten “B.Z. Sport” oder gar das “Sportecho”, sondern ausländische Traditionszeitungen wie die französische “L’Equipe” oder die “La Gazzetta dello Sport” aus Italien
  • finanziert wird die Zeitung durch “fünf sportlich stark interessierte Gesellschafter, (…) die sicher stellen, dass dieses Projekt nicht am Geld scheitern wird, nur wenn es der Markt nicht will”
  • dafür, dass der Markt das Produkt mit den Schwerpunkten Fußball und Formel 1 sowie Handball, Basketball, Eishockey und Golf will, sollen 12 festangestellte Redakteure sowie 20 partiell zuliefernde Journalisten sorgen. Unter den freien Autoren ist, wie stets ausdrücklich vermerkt wird, der “versierte Sport-Journalist Rainer Kalb”
  • die Zeitung umfasst werktags 24 Seiten und kostet 50 Cent – am Sonntag verdoppeln sich Umfang und Preis
  • ein Jahresabonnement mit Hauszustellung kostete regulär 204 Euro – wer bis zum 31. März bestellte, sollte das erste Jahr (sic!) zum Schnäppchenpreis von 99 Euro bekommen – inzwischen lässt sich ein Jahresabonnement für den wöchentlichen “Sport-Tag” für 49 Euro erwerben, obwohl die Zeitung ja schon bald wieder täglich erscheinen soll …
  • der Inhalt ist laut Verleger Michael Hahn “aktueller als in jeder anderen Zeitung, weil wir einen extrem späten Redaktionsschluss haben, der bei wichtigen Ereignissen und Entwicklungen sogar noch einmal nach hinten verlegt werden kann” – Beleg ist die Seite 6 vom 18. März 2010 (siehe Tabelle)

Soviel zur PR, nun noch einmal zur Wirklichkeit, die der deutschen “L’Equipe” zum Verhängnis geworden sein dürfte. Auf der offiziellen Homepage waren zum Start des Zeitungsprojekts als Leseproben vier Seiten zu finden, von denen drei mit Agenturtexten gefüllt waren.  Die vierte war das Sportfernseh-Programm. Zwischendurch stand auf der Seite zum Reinlesen die komplette Ausgabe vom Donnerstag (18. März 2010) zum Download bereit, inzwischen ist es die vom vom 11. April.

Wir haben uns einmal den Spaß gemacht, die Ausgabe vom 18. März inhaltlich nach den Quellen aufzudröseln (treffende Anmerkungen zum Layout finden sich hier und hier). Heraus kam folgendes Bild, :

S. 1: Startseite
S. 2: “Barcelona lässt dem VfB keine Chance” v. Thomas Häberlein Quelle: Thomas Häberlein, sid
getickert: 17, März um 22.43 Uhr
S. 3: “Bordeaux erreicht Viertelfinale” Quelle: sid
getickert: 17. März um 22.37 Uhr
S. 4: Fußball Mix – Kurzmeldungen
Michael Ballack: International noch ohne Titel Quelle: dpa
getickert: 17. März um 13.44 Uhr
Demichelis kritisiert Ballack heftig Quelle: sid
getickert: 17. März um 15.03 Uhr
Bielefeld vor Neuanfang – Trainersuche auf Eis Quelle: dpa
getickert: 17. März um 13.32 Uhr
(Überschrift identisch, Originaltext Mitte des 2. Absatzes abgeschnitten)
DFB will kein Verbot von Stehplätzen in Stadien Quelle: dpa
getickert: 17. März um 13.54 Uhr
(Überschrift identisch, Originaltext nur bis zum 2. Absatz übernommen)
Hoffenheim zurück im Abstiegskampf Quelle: dpa
getickert: 17. März um 13.14 Uhr
Bayer-Reservist Sarpei glaubt an WM-Teilnahme Quelle: dpa
getickert: 17. März um 12.54 Uhr (Überschrift identisch, Originaltext nach dem ersten von drei Absätzen abgeschnitten)
Amerell erstreitet Verfügung gegen Zwanziger Quelle: dpa
getickert: 17. März um 12.52 Uhr
S. 5: “Der HSV setzt auf Muntermacher” v. Andreas Hardt Quelle: Franko Koitszsch, dpa
getickert: 17. März um 11.17 Uhr
S. 6: “Gute Ausgangsposition dank Frings” v. Tom Vaagt Quelle: Tom Vaagt, sid
getickert: 17. März um 13.00 Uhr
(die aktualisierte Version von 17.54 Uhr wurde nicht verwendet)
S. 7: “Auch ohne Grafite wollen sie siegen” v. Franko Koitzsch Quelle: Andreas Hardt, sid
getickert: 17. März um 12.40 Uhr
S. 8-9: “Beckham ist nicht allein – Fehlende WM-Stars sind über eine halbe Milliarde wert” v. Erich D. van den Bonn offenbar eigener Text
S. 10: “Robin Dutt: Drei Punkte sind Pflicht” v. Dieter Becker offenbar eigener Text – der am Donnerstag eine Vorschau auf das Spiel der Freiburger am Samstag bietet …
S. 11: “Heidenheimer Erfolgsserie reißt” Quelle: sid
getickert: 17. März um 20.56 Uhr
S. 12: International – Tabellen, letzte Ergebnisse + nächster Spieltag + Torjäger aus England, Italien und Spanien
S. 13: Internationale Tabelle + letzte Ergebnisse aus Frankreich, Belgien, Niederlande, Griechenland, Portugal, Türkei, Polen, Österreich, Schweiz, Schweden und Dänemark

S. 14:

“Wenn Weglaufen wieder zu einer Lösung wird …” v. Rainer Kalb


offenbar eigener Text, enthält folgende Formulierungen:

  • Großmäuler der Polizei fordern Millionen
    vom Fußball für die “Sicherheitsmaß-nahmen”, einbuchten, die Sau raus lassen, nicht angetatscht werden darf
ebenfalls S. 14: “Preetz bleibt bei Hertha und stützt Funkel” v. Robert Semmler Quelle: Robert Semmler, dpa
getickert: 17. März um 14.16 Uhr

S. 15:
“Bagdhatis blamiert Federer”

“Handballer feiern Sieg im zweiten Test” v. (cie)

Quelle: Heiko Öldorp, dpa (17. März um 11.34 Uhr)

Überschrift identisch mit sid-Meldung vom 17. März, 21.37 Uhr – Text umgeschrieben

S. 16 – 17: Sport Mix

Agenturmeldungen von dpa und sid
S. 18: US-Sport
Ergebnisse & Tabellen unformatiert
Höchster NBA-Saisonsieg:
Phoenix gewinnt 152:114
Quelle: dpa, getickert am Vormittag des 17. März
Michael Jordan offiziell Bobcats-Besitzer Quelle: sid vom 17. März
S. 19: Selbstironie, Leitfäden
und Berührungsängste
offenbar eigener Text, allerdings ohne Autorennennung bzw. Kürzel
S. 19: Arm, aber sexy offenbar eigener Text
S. 19: Alba baut Tabellenführung aus – Sieg über Trier Quelle: dpa
Leadsatz der Meldung: “Alba Berlin hat seine Tabellenführung in der Basketball-Bundesliga
ausgebaut. Der Ex-Meister gewann am Mittwoch 82:68 (46:38) gegen Abstiegskandidat TBB Trier.
S. 19: BBL-Tabelle

unformatiert, siehe Screenshot

S. 20: Aktuelle Buchempfehlungen

Rote Liebe + Meine Borussia

offenbar eigene Texte, keine Autorennennung bzw. Kürzel
S. 21: Eigenwerbung + Sportcomic “Bill Body – der Schrecken des Sports”
S. 22: Meinungen + Rätsel

ein Leser merkt an: “Sicherlich schleicht sich zu Beginn noch der eine oder andere Fehler ein, doch ich bin optimistisch und hoffe, dass Sie im Laufe der Zeit auch das (es ist ja nicht viel) in der Griff bekommen.”

Antwort der Redaktion: “Es wäre interessant zu erfahren, was Sie konkret mit den kleinen Fehlern meinen. Unsere Redaktion ist ständig dabei, Themen zu aktualisieren, Texte und Berichte auszutauschen. Wo von Hand geschrieben wird, passieren gelegentlich Fehler, aber wir arbeiten daran, deren Ursachen zu finden und auszuschließen.”

(Hervorhebungen von uns)

S. 23: TV-Sport-Programm
S. 24: ganzseitige Fremdwerbung









Das denke ich nicht. Ich glaube vielmehr, dass der deutsche Zeitungsmarkt diese tägliche Sportzeitung seit zwanzig Jahren braucht, es hat sich nur noch niemand getraut, eine zu












  1. Die Begründung für die Namenswahl ist so schlicht wie das Layout: “Weil wir einen Namen finden mussten, der nicht angreifbar ist.” []
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Gesagt ist gesagt – auch wenn es gelöscht ist

März 21st, 2010 sportticker Posted in Doping, Medien No Comments »

Die “Bild”-Zeitung hat unter der Überschrift “Pechstein wütet gegen Kritiker” folgenden in ihren Augen wütenden Satz von Claudia Pechsteins Homepage zitiert:

„Da stellen die renommiertesten Blutexperten (Hämatologen) des Landes die Diagnose, dass eine hereditäre Sphärozytose bei mir für erhöhte Retikulozyten sorgt und dann stellt ein Pharmakologe (Prof. Sörgel) die Spezialisten der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) einfach in Frage.“

Wer das Zitat direkt bei Claudia Pechstein nachlesen wollte, wurde enttäuscht. Nichts zu finden auf der Seite, alles ganz nüchtern, harmlos direkt. Von Wut keine Spur, vom “Bild”-Zitat auch nicht.

Als Erklärung blieben zwei Möglichkeiten:

1. Die “Bild” hat mal wieder so gearbeitet, wie es auf BILDblog seit Jahren dokumentiert wird – was allerdings bei einem schriftlich niedergelegten Zitat plus Nennung der Quelle selbst für “Bild”-Verhältnisse ungewöhnlich dreist wäre.

2. Auf www.claudia-pechstein.de wird so informiert, wie das anderswo schon länger vermutet wird – es wurde nachträglich nachgebessert, in diesem Fall ohne Hinweis gelöscht. Was heute dort steht, muss morgen nicht mehr zwingend gelten. Das Recht der Hausherrin eben. Read the rest of this entry »

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Nicht ZEITgemäß

März 16th, 2010 sportticker Posted in Doping, Medien No Comments »

Dass “Zeit.de” mit seiner Kommentarfunktion mitunter nicht wirklich viel anzufangen weiß, wissen wir schon etwas länger. Wie schlimm es wirklich ist, haben wir offensichtlich unterschätzt.

nicht_zeitgemaess2Screenshot: zeit.de

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Zu gut, um wahr zu sein

Februar 12th, 2010 sportticker Posted in Doping, Medien, Olympia No Comments »

Nachdem die Deutsche Presse-Agentur im vergangenen Jahr mehrmals Falschmeldungen aufgesessen war und im September 2009 schließlich sogar einen erfundenen Anschlag in einer erfundenen US-Stadt vermeldet hatte, wurde an die dpa-Mitarbeiter ein interner Leitfaden verschickt. In zwölf Punkten wurden Grundsätze formuliert und in Erinnerung gerufen, um ähnliche Fehlleistungen künftig auszuschließen. Das funktioniert, wie der Januar 2010 gezeigt hat, noch nicht durchgehend.

Dabei bietet gerade Punkt 7 des Leitfadens eine hervorragende Hilfestellung über alle Ressortgrenzen hinweg. Dort heißt es zur Überprüfung eingehender Meldungen unter anderem: “Eine Story, die zu gut ist, um wahr zu sein, ist vermutlich genau dies: nicht wahr.”

Soviel zur Theorie, zurück zur dpa-Praxis. Die las sich am Donnerstag um 6.23 Uhr so:

Bereits 30 Dopingfälle vor Vancouver

Vancouver (dpa). Vor den olympischen Spielen in Vancouver sind schon 30 Wintersportler vorab bei Dopingkontrollen positiv getestet worden. Dies teilte John Fahey, Präsident der Welt-Anti-Doping- Agentur der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees mit. Die Kontrollen sind in den Wochen vor den Winterspielen gemacht worden. Über Einzelheiten zu den Fällen und Sanktionen wurde zunächst nichts bekannt. Nach Auskunft von IOC-Sprecher Mark Adams hat es im Rahmen des olympischen Testprogramms bisher 554 Dopingproben gegeben.

Viel Arbeit für unseren Olympia-Dopingspiegel, schwante uns. Wie gut, dass IOC-Kommunikationsdirektor Mark Adams zunächst keine näheren Informationen abgeben wollte und stattdessen auf eine Wada-Pressekonferenz am Donnerstagabend (MEZ) verwies. Und noch besser, dass die dpa nach dieser PK um 21.44 Uhr schon wieder Entwarnung geben konnte:

WADA: Die 30 Doping-Fälle sind bekannt

Vancouver (dpa) – Die zunächst höchst brisante Meldung von mehr als 30 positiv getesteten und von den Olympischen Winterspielen in Vancouver ausgeschlossenen Athleten erwies sich als Sturm im Reagenzglas. (…)

Oder, um es mit dem Konkurrent Sport-Informationsdienst (sid) zu sagen:

“Das Startverbot für über 30 Athleten bei den  Olympischen Spielen in Vancouver hat sich als PR-Bluff der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) entlarvt.”

Oder, um es mit der dpa zu sagen: “Eine Story, die zu gut ist, um wahr zu sein, ist vermutlich genau dies: nicht wahr.”






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Lösbarer Hammer – Deutschland mit traditionellem Losglück

Februar 7th, 2010 Olaf Posted in Medien No Comments »

Türkei, Österreich, Belgien, Kasachstan und Aserbaidschan sind die Gruppengegner der Deutschen Nationalmannschaft bei der Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine.
Sind Sie nun unsicher, was Sie von dieser Auslosung halten sollen? Schwanken Sie zwischen Hammerlos, lösbarer Aufgabe und Glückslos? Keine Sorge, Sie sind nicht schizophren -  auch die Medienlandschaft ist gespaltener Meinung. Lesen Sie selbst:

Bild Online

Spiegel Online

Welt Online














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Sehenswert (III) – “Geheimsache Doping – Eiskalter Betrug”

Februar 5th, 2010 Olaf Posted in Doping, Medien No Comments »

Freuen Sie sich schon auf die Olympischen Winterspiele in Vancouver, auf Spitzenleistungen und Weltrekorde? Dann sind Sie bei ARD und ZDF vom 12. bis zum 28. Februar 2010 genau richtig – jedoch sollten Sie es tunlichst vermeiden, in der Nacht von Montag auf Dienstag die ARD einzuschalten und sich den Spaß an den Spielen verderben zu lassen.

Geheimsache Doping - Eiskalter Betrug

Für alle anderen jedoch, die sportliche Höchstleistungen skeptisch betrachten und gerne einen “Einblick in die raffinierten Dopingpraktiken in den Wintersportdisziplinen” erhalten wollen, ist die ARD-Sendung “Geheimsache Doping – Eiskalter Betrug” von den Autoren Hajo Seppelt, Robert Kempe und Jochen Leufgens Pflicht. Da sich die ARD gute Einschaltquoten bei Olympia erhofft und Nörgler “beim Höhepunkt des Sportjahres 2010″ nur stören, hat die ARD die Dokumentation auf einen wenig quotenträchtigen Programmplatz um kurz nach Mitternacht verfrachtet.

All denjenigen, die sich bis dahin nicht von “Beckmann” haben einschläfern lassen und kurz vor den “Komikern” noch wach sind, bieten Seppelt, Kempe und Leufgens einen Blick hinter die Fassade des schillernden Wintersportzirkus und Einblicke in “ausgeklügelte Dopingmethoden”. Zudem sprechen die Autoren mit einem Hintermann, der den Anti-Doping-Kampf der Sportverbände als “Farce” bezeichnet und einem Topathleten aus dem Nordischen Skisport, der den massiven Einsatz von Dopingmitteln im Wintersport schildert, die Heuchelei des Sportsystems demaskiert. Es ist zu hoffen, dass die ARD diesmal den großen Ankündigungen auch Taten folgen lässt und nicht wieder alten Wein in neuen Fässern präsentiert.

Wenn selbst die eigenen Redakteure zu dem Schluss kommen, dass “internationalen Sportorganisationen trotz großer Verdachtsmomente nicht annähernd die Möglichkeiten ausschöpfen, mutmaßliche Doper zu überführen”, bleibt die Frage, ob es gerechtfertigt ist, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF eine Menge Gebührengelder aufwenden, um allein im Fernsehen mehr als 300 Stunden live über ein Spritzensportereignis zu berichten. Damit sich diese Frage möglichst wenige Zuschauer stellen, dürfen Seppelt & Co. wie schon vor der Leichtathletik-WM erst nach Mitternacht auf den Sender. Sicher ist sicher.

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Einmalig schlecht

Dezember 23rd, 2009 Christoph Posted in Fußball, Medien No Comments »

In 219 Wörtern führt Florian Witte heute in der “B.Z.” aus, dass Hertha BSC Berlin mit sechs Punkten aus 17 Spielen die schlechteste Mannschaft Europas ist. Bei Witte klingt das natürlich viel besser:

“17 Spiele, ein Sieg, drei Unentschieden und zehn Punkte Rückstand auf Retter-Platz 16 – Hertha gleicht nach der Hinrunde einem Trümmerfeld. Und das ist in Europa einmalig. Einmalig schlecht!”

Wenn Sie interessiert weiterlesen, erfahren Sie auch, dass der große B.Z.-Vergleich die “aktuellen Tabellen aller Top-Ligen aus 52 europäischen Ländern” umfasst – und beweist: “Kein Team ist so schlecht wie Hertha! Kein Verein, der schon mindestens 17 Spiele bestritt, hat weniger Punkte auf dem Konto als Funkels Versager.”

Einmal in Fahrt schlägt Witte gekonnt den Bogen vom “Bundesliga-Peinlich-Rekord” von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66 ins Hier und Jetzt nach Griechenland. Denn dort gibt es noch einen weiteren Anwärter auf den Titel “größte Lachnummer des Kontinents” – und damit Hoffnung für Hertha: die “Gyros-Herthaner” von Panthrakikos FC. Die brauchen nämlich nach zwei Punkten in ihren bisher 15 Saisonspielen “aus den nächsten zwei Partien mindestens vier Zähler, um mit den Berlinern gleich zu ziehen”.

Warum wir Ihnen so detailliert schildern, was Sie auch selbst lesen könnten? Erstens, damit sie sich genau das ersparen können. Und zweitens, weil wir Sie eigentlich nur freundlich auf die Prva-Liga in Mazedonien hinweisen wollten:1

screenshot_kicker_mazedonieScreenshot: kicker.de

  1. Womit dann auch wir unsere 219 Wörter zum Thema “Einmalig schlecht + größte Lachnummer” vollgeschrieben hätten. []
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