Drama, baby, Drama!*

Mai 2nd, 2010 Christoph Posted in Abseits!, Korruption No Comments »

Wir hatten das hier alles schon einmal. Damals, als es ergebnislose Ermittlungen gegen Peter Ebdon gab und nebenan im Snookerblog die heile Welt ins Wanken geriet. Die Umstände waren damals so, dass die Wettmuster äußerst auffällig, aber keine belastbaren Beweise für eine bewusste Spielmanipulation während Ebdons 0:5-Niederlage gegen einen 21-jährigen Chinesen vorhanden waren. Dummerweise hatte die Partie an einem Nebentisch stattgefunden, an dem das Spiel nicht aufgezeichnet wurde. Wie das Leben im Sport eben so spielt.

John HigginsJetzt ist alles anders. Unter Manipulationsverdacht steht nicht mehr der einmalige Weltmeister Peter Ebdon, sondern der dreimalige (und noch amtierende) Champion John Higgins. In Manipulationsverdacht stehen keine konkreten Spiele, sondern einige Frames in noch zu spielenden Partien. Und: Es gibt Bewegtbilder mit Ton. Veröffentlicht hat sie das Enthüllungs-Fachblatt “News of the World” (Slogan: “We’re No 1 for exclusive video”), bekannt durch ein fingiertes Sex-Video mit dem ehemaligen FIA-Präsident Max Mosley und falsche Scheichs mit interessanten Angeboten für Englands damaligen Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson.

Es zeigt Higgins und dessen Manager Pat Mooney, Vorstandsmitglied der WPBSA1, am Freitag bei Verhandlungen in Kiew. Verhandlungen mit vermeintlichen Wettpaten, die tatsächlich Reporter des Boulevardblatts sind. Verhandlungen darüber, wie Higgins in der kommenden Saison Frames in mehreren Partien absichtlich verlieren, der Wettmafia dadurch ein paar sichere Einnahmen und sich selbst einen Bonus von 300.000 Euro verschaffen könnte. Nachdem Higgins versichert hat, Manipulationen seien problemlos möglich und für die Zuschauer nicht zu erkennen, kommt das Gespräch auf wirklich wichtige Themen: Wie lässt sich eine derart erkleckliche Extra-Einnahme möglichst unauffällig verbuchen?

Nach Veröffentlichung des bearbeiteten Videos und eines entsprechend aufgemachten Berichts in der “News of the World” erklärte Mooney “Sky News” sinngemäß: Er und Higgins hätten in Kiew um ihre Sicherheit fürchten müssen, die Umstände seien “ungeheuer furchteinflößend” gewesen und hätten ihnen bei den Verhandlungen keine Wahl gelassen. Vorbildlich muss man in diesem Zusammenhang die Art und Weise nennen, in der Higgins und Mooney ihre enorme Angst verbergen. Inzwischen ist Mooney von seinem WPBSA-Posten zurückgetreten.

John Higgins schwieg erst zu den Vorwürfen und teilte schließlich mit:

“I didn’t know if this was the Russian Mafia or who we were dealing with – at this state I felt the best course of action was to play along with these guys and get out of  Russia [sic]. (…) Those who know me know of my love for snooker… my conscience is 100% clear.”

Die WPBSA hatte sich schon zuvor zur Personalie Higgins geäußert. Der dreimalige Weltmeister wurde bis zur Klärung der Vorwürfe von allen WPBSA-Turnieren ausgeschlossen, heißt es in einem offiziellen Statement. Die Affäre sei beschämend, ein schwerer Schlag “für die Integrität des Sports”, hieß es gegenüber verschiedenen Medien. Für Aufklärung soll möglichst rasch David Douglas sorgen, seit Kurzem im WPBSA-Vorstand für Disziplinarangelegenheiten zuständig. Erfahrung mit Korruptionsdelikten sollte Douglas mitbringen. Er war einst Detective Chief Superintendent der Metropolitan Police in London.

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* Die Überschrift ist geborgt vom Spox-Bericht zu Higgins WM-Aus gegen Steve Davis. Die Vorwürfe gegen Higgins sind Spox, Stand 15.34 Uhr, keine Erwähnung wert. Nachtrag: Jetzt schon.

  1. World Professional Billiards and Snooker Association []
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SpOn und der Flug des Schneeballs

Dezember 5th, 2009 Klaus Posted in Korruption, Medien, Tennis No Comments »

“Spiegel online ist auf eine merkwürdige Partie gestoßen”. Das schreibt Christian Gödecke im Teaser zu seinem Text über ein Tennismatch, das letztes Jahr beim ATP-Turnier in Lyon stattgefunden und den einstmals “weißen Sport” beschmutzt hat. Nur: Eine wirklich neue Nachricht ist das nicht. Zumindest in der Wettwelt.

Kein Wunder, inzwischen ist bereits die komplette Tennis-Saison 2009 ausgespielt. Und eigentlich gibt es genug andere, aktuellere Anlässe, die untersucht werden könnten. Zudem sind leider viele Dinge durcheinandergeraten in dem Artikel. Mit bloßen Nachfragen bei Buchmachern ist es eben nicht getan. Deshalb ein paar Anmerkungen zu Passagen aus Gödeckes-Text.

“Nach Unterlagen, die Spiegel Online vorliegen, nahmen insgesamt mindestens 47 Wettanbieter die Llodra-Partie aus ihrem Angebot. Sie alle hatten extreme Auffälligkeiten bemerkt. 47.”Das spricht Bände”, sagt ein Buchmacher.

Diese Zahl sagt nur wenig aus und das sagt der Artikel indirekt auch. Denn sobald bei Betfair hohe Summen gesetzt werden, wird automatisch die gesamte Wettwelt auf diese Spiele aufmerksam. Und ein ganz großer Teil der Wetten, die dann bei Buchmachern eingehen sind gar keine Wetten mehr, sondern Surebets. Hier wettet man zur hohen Quote beim Buchmacher und sichert dann zu den schon am Boden liegenden Quoten bei Betfair. Durch die hohen Einsätze nehmen nun viele Buchmacher die Spiele aus ihrem Programm. Das ist der im Text beschriebene Schneeball-Effekt. Das sagt aber zunächst einmal nichts darüber aus, ob ein Spiel manipuliert worden ist. Sondern gibt nur einen Hinweis auf die Stärke des Schneeball-Effekts.

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Handball, Sport der Merkwürdigkeiten

Juni 4th, 2009 Christoph Posted in Handball, Korruption, Sportpolitik No Comments »

Der Handballkenner und Journalist Erik Eggers hat sich das Rückspiel im Finale der Handball-Champions-League zwischen BM Ciudad Real und dem THW Kiel vor Ort angeschaut. Auf dem Weg nach Ciudad Real sind ihm am Madrider Bahnhof Atocha zwei serbische Herren aufgefallen, die von einem Spanier überaus herzlich empfangen wurden. Miguel Angel Amigo hatte auch allen Grund, freundlich zu Slobodan Visekruna und Zoran Stanojevic zu sein. Nicht nur, weil er beim BM Ciudad Real als „Direktor Internationale Beziehungen“ fungiert und die freundliche Betreuung von Schiedsrichtern sein Job ist,  sondern weil das Duo Visekruna/Stanojevic natürlich nicht aus touristischen Gründen unterwegs nach Ciudad Real war. Der Zweck ihrer Reise: Die Leitung des Rückspiels gegen Kiel, in dem Ciudad Real einen Fünf-Tore-Rückstand aufzuholen hatte. Read the rest of this entry »

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Kuriositätenkabinett (III)

März 10th, 2009 Christoph Posted in Abseits!, Fußball, Handball, Korruption No Comments »

Nach den wirklich überaus beliebten ersten beiden Folgen lautet das Thema heute: Schiedsrichter.

Los geht es mit Handball. Dort haben sich die europäischen Spitzenklubs nach den unappetitlichen Vorwürfen gegen den THW Kiel überlegt, dass der Einsatz unabhängiger Schiedsrichter auch in ihrem Sport zeitgemäß wäre. Korruption und so, man kennt das ja, von anderen Sportarten. Read the rest of this entry »

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“Bösartige Gerüchte”

März 8th, 2009 sportticker Posted in Handball, Korruption No Comments »

Okay, okay, wir wissen ja auch, dass die Handball-Bundesliga die Bestechungsvorwürfe gegen den THW Kiel am Mittwochabend offiziell für null und nichtig und den Fall damit vorerst für beendet erklärt hat.1 Dem Handball-Rekordmeister war vorgeworfen worden, seit 2000 mehrere Spiele in der Champions League manipuliert zu haben, darunter das gewonnene Finale 2007. Diese Vorwürfe konnte die Handball-Bundesliga in mehreren mehrstündigen Sitzungen nicht bestätigen. Handball in Deutschland bleibt also ein sauberer Sport.

Nichtsdestotrotz wird im neuen “Spiegel” folgende Geschichte zu lesen sein: Uwe Schwenker, der Manager des Handball-Rekordmeisters THW Kiel, und der langjährige Kieler Trainer Zvonimir Serdarusic sollen seit dem Jahr 2000 bei mindestens zehn Spielen der Champions League Schiedsrichter bestochen haben.

Manipulationen soll es dem Bericht zufolge unter anderem im Finale der Champions League 2007 gegeben haben, das der THW Kiel gegen die SG Flensburg-Handewitt im Rückspiel mit 29:27 gewann. Für den sicheren Sieg sollen die beiden polnischen Schiedrichter des Finalrückspiels Miroslaw Baum und Marek Goralczyk 96.000 Euro erhalten haben.

Besondere Vorkommnisse: Der dänische Nationalspieler Joachim Boldsen (SG Flensburg-Handewitt), der inzwischen für den spanischen Spitzenclub FC Barcelona spielt, sah damals bereits in der 19. Minute die Rote Karte.

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  1. Die Staatsanwaltschaft Kiel hat freilich dennoch den ominösen Brief von Dieter Matheis angefordert, der die Affäre ins Rollen gebracht hat. []
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Schmieren für Anfänger (Lesenswert VII)

September 30th, 2008 Christoph Posted in Korruption, Lesenswert, Sportpolitik 2 Comments »

Wenn es stimmt, was Erik Eggers schreibt, dann hat der Deutsche Handball-Bund (DHB) 2002 versucht, sich die Ausrichtung der WM 2005 zu erkaufen – mit einer Zahlung von 50.000 Dollar an den favorisierten Mitkonkurrenten Russland. Die Russen stimmten zu, doch die WM ging blöderweise an Tunesien. Nach der überraschenden Niederlage wütete DHB-Präsident Ulrich Strombach in aller Öffentlichkeit über fehlende Transparenz und gekaufte “Stimmkartelle”, organisiert von Hassan Moustafa, dem Präsidenten des Handball-Weltverbandes IHF.

Das hat im Nachhinein natürlich ein gewisses Geschmäckle, doch Strombachs Ärger war überaus verständlich: Schließlich stand der DHB nach der WM-Vergabe an Tunesien vor dem Dilemma, Russland 50.000 Dollar zu schulden, aber keine 50.000 Dollar zu haben, da diese erst von einem WM-Sponsor bezahlt werden sollten. Und jetzt wird die ganze Sache richtig bizarr, denn: Wenn es stimmt, was Eggert schreibt, half ausgerechnet IHF-Boss Hassan Moustafa dem klammen DHB aus der Klemme. Der Weltverband ließ die Bestechung nicht nur unbestraft, sondern schoss dem DHB sogar noch 40.000 Dollar vor und machte sie somit zu einer “Bestechung auf Pump”. Die IHF-Zahlung wurde später mit dem Betrag verrechnet, den der DHB vom Weltverband für die Ausrichtung der WM 2007 erhielt.

Aufgeschrieben hat Eggers die ganze Geschichte zuerst für die “Frankfurter Rundschau”. Jens Weinreich hat sie aus persönlichem Interesse zum Anlass genommen, das Thema “Korruption im Handball” in einem “hundsgemein langen Blogeintrag” mit Originaldokumenten, weiteren Eggers-Artikeln, TV-Beiträgen und vielen, vielen Links aufzudröseln. Das alles ist äußerst lesenswert. Ein Lesevergnügen ist es angesichts der Thematik nicht.

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Glauben ist alles – die heile Welt des Snookerblogs

September 22nd, 2008 Christoph Posted in Abseits!, Korruption 3 Comments »

[2. Update 20:35]

Am Samstag haben wir darüber berichtet, dass die Gambling Commission eine 0:5-Niederlage von Snookerspieler Peter Ebdon bei der Northern Ireland Trophy untersucht. Das hat auch der Snookerblog getan und weil dort im Gegensatz zum sportticker nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit gewerkelt wird, wurde der Eintrag dort auch kommentiert. Der einhellige Tenor der Kommentare ist ein Armutszeugnis für den Blog, überrascht aber nur auf den ersten Blick.

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