Wir hatten das hier alles schon einmal. Damals, als es ergebnislose Ermittlungen gegen Peter Ebdon gab und nebenan im Snookerblog die heile Welt ins Wanken geriet. Die Umstände waren damals so, dass die Wettmuster äußerst auffällig, aber keine belastbaren Beweise für eine bewusste Spielmanipulation während Ebdons 0:5-Niederlage gegen einen 21-jährigen Chinesen vorhanden waren. Dummerweise hatte die Partie an einem Nebentisch stattgefunden, an dem das Spiel nicht aufgezeichnet wurde. Wie das Leben im Sport eben so spielt.
Jetzt ist alles anders. Unter Manipulationsverdacht steht nicht mehr der einmalige Weltmeister Peter Ebdon, sondern der dreimalige (und noch amtierende) Champion John Higgins. In Manipulationsverdacht stehen keine konkreten Spiele, sondern einige Frames in noch zu spielenden Partien. Und: Es gibt Bewegtbilder mit Ton. Veröffentlicht hat sie das Enthüllungs-Fachblatt “News of the World” (Slogan: “We’re No 1 for exclusive video”), bekannt durch ein fingiertes Sex-Video mit dem ehemaligen FIA-Präsident Max Mosley und falsche Scheichs mit interessanten Angeboten für Englands damaligen Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson.
Es zeigt Higgins und dessen Manager Pat Mooney, Vorstandsmitglied der WPBSA1, am Freitag bei Verhandlungen in Kiew. Verhandlungen mit vermeintlichen Wettpaten, die tatsächlich Reporter des Boulevardblatts sind. Verhandlungen darüber, wie Higgins in der kommenden Saison Frames in mehreren Partien absichtlich verlieren, der Wettmafia dadurch ein paar sichere Einnahmen und sich selbst einen Bonus von 300.000 Euro verschaffen könnte. Nachdem Higgins versichert hat, Manipulationen seien problemlos möglich und für die Zuschauer nicht zu erkennen, kommt das Gespräch auf wirklich wichtige Themen: Wie lässt sich eine derart erkleckliche Extra-Einnahme möglichst unauffällig verbuchen?
Nach Veröffentlichung des bearbeiteten Videos und eines entsprechend aufgemachten Berichts in der “News of the World” erklärte Mooney “Sky News” sinngemäß: Er und Higgins hätten in Kiew um ihre Sicherheit fürchten müssen, die Umstände seien “ungeheuer furchteinflößend” gewesen und hätten ihnen bei den Verhandlungen keine Wahl gelassen. Vorbildlich muss man in diesem Zusammenhang die Art und Weise nennen, in der Higgins und Mooney ihre enorme Angst verbergen. Inzwischen ist Mooney von seinem WPBSA-Posten zurückgetreten.
John Higgins schwieg erst zu den Vorwürfen und teilte schließlich mit:
Die WPBSA hatte sich schon zuvor zur Personalie Higgins geäußert. Der dreimalige Weltmeister wurde bis zur Klärung der Vorwürfe von allen WPBSA-Turnieren ausgeschlossen, heißt es in einem offiziellen Statement. Die Affäre sei beschämend, ein schwerer Schlag “für die Integrität des Sports”, hieß es gegenüber verschiedenen Medien. Für Aufklärung soll möglichst rasch David Douglas sorgen, seit Kurzem im WPBSA-Vorstand für Disziplinarangelegenheiten zuständig. Erfahrung mit Korruptionsdelikten sollte Douglas mitbringen. Er war einst Detective Chief Superintendent der Metropolitan Police in London.
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* Die Überschrift ist geborgt vom Spox-Bericht zu Higgins WM-Aus gegen Steve Davis. Die Vorwürfe gegen Higgins sind Spox, Stand 15.34 Uhr, keine Erwähnung wert. Nachtrag: Jetzt schon.
- World Professional Billiards and Snooker Association [↩]


