Dr. Theo Zwanziger, noch Präsident des Deutschen Fußballbundes und Träger des Bundesverdienstkreuzes, ist ein gläubiger Mensch.
Er glaubt nicht nur, er habe alles im Griff in der Schiedsrichteraffäre um Manfred Amerell, obwohl ihm die längst völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Er glaubt auch, dass “ein Mann, der das Schiedsrichterwesen so liebt wie Amerell” nicht zurückgetreten wäre, “wenn er der Überzeugung ist, dass überhaupt nichts passiert ist, was man ihm anlasten kann”. Und er glaubt deshalb, dass der ehemalige Schiedsrichter-Beobachter schuldig ist, denn ansonsten hätten viele junge Leute gegenüber dem DFB „Dinge erfunden, die man nicht erfinden kann“. Zu diesen „jungen Leuten“ gehört insbesondere der Bundesliga-Schiedsrichter Michael Kempter, der im Dezember 2009 den Fall durch den Vorwurf der sexuellen Belästigung durch Amerell ins Rollen gebracht hatte. Die Vorverurteilung durch Zwanziger ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass sich der DFB-Präsident gut vorstellen kann, dass „dies oder jenes“ in der Aussage von Kempter „nicht stimmt“.
Die Beweislage ist also dürftig und genau das ist das Problem von Zwanzigers religiöser Krisenkommunikation. Damit aus Glauben bewiesenes Wissen wird, sind Fakten nötig. Am Ende reicht es eben nicht aus nur an das „gravierende Fehlverhalten“ von Amerell zu glauben – es kommt darauf an, was Zwanziger beweisen kann.







